Gesundheit heute

Was ist Sexualität?

Wir alle wissen: Sexualität umfasst eine ganze Reihe verschiedener Empfindungen und Handlungen und ist weit mehr als „nur" Geschlechtsverkehr oder eine Körperfunktion, die normal oder gestört sein kann. Sexualität begleitet den Menschen ein Leben lang und ist essenzielles Grundbedürfnis und Teil unserer Persönlichkeit, dem wir, vor allem im Rahmen einer Beziehung, viel Bedeutung beimessen.

0838_ASM_sexueller_Reaktionszyklus_Mann_Frau.png|Der sexuelle Reaktionszyklus verlöuft bei Mann und Frau unterschiedlich. Beiden Geschlechtern gemeinsam ist die initiale Phase sexuellen Verlangens, die bei entsprechendem Vorspiel in eine Plateauphase der Erregung übergeht. Diese Phase zeigt sich in körperlichen Veränderungen – beim Mann schwillt der Penis an und versteift sich. Bei der Frau nimmt die Blutfülle im Becken zu, die Scheide wird feucht und das äußere Genitale schwillt an. Im weiteren Verlauf unterscheiden sich beide Geschlechter: Mann und Frau können zum Orgasmus gelangen, und danach die sexuelle Erregung abklingen lassen. Während die Erlangung des Orgasmus von den meisten Männern erwünscht wird, und zudem danach eine (obligatorische) Pause (Refraktärzeit genannt) folgt, sind Frauen flexibler: Neben diesem "normalen" Reaktionsmuster (1 in der Abb.) ist für sie befriedigender Geschlechtsverkehr auch ohne Orgasmus möglich (2 in Abb.) – und es können auch mehrere Orgasmen kurz hintereinander folgen (3 in Abb.)|[ASM 0838]|Vergleichsgrafik zum Verlauf der sexuellen Erregung bei Mann und Frau

Körperliche, psychische und soziale Faktoren

Unser sexuelles Erleben und Verhalten beruht auf einem Zusammenspiel von

  • Körperlichen Faktoren, wie der Empfindung von Berührungen, der sexuellen Erregbarkeit, dem eigenen Körpergefühl und dem Wechselspiel von Hormonen. Krankheiten, die Einnahme von Medikamenten, hoher Alkohol-, Zigaretten- oder Drogenkonsum beeinflussen unser sexuelles Erleben und können zu sexuellen Störungen führen.
  • Psychischen Faktoren, ob wir angespannt, verliebt, verärgert oder ausgeglichen sind; ob wir unter Versagensängsten oder zu hohem Erwartungs- und Leistungsdruck z. B. bei (noch) fehlender sexueller Erfahrung leiden.
  • Sozialen Faktoren, also dem Umfeld von Kultur und Gesellschaft, z. B. wie man von den Eltern erzogen wurde, ob man über seine sexuellen Erfahrungen, Wünsche und Probleme (mit dem Partner) spricht, ob Sex vor der Ehe gesellschaftlich toleriert wird, man sich in der Öffentlichkeit freizügig zeigt, in der Schule aufgeklärt wurde oder ob alles ein großes Tabuthema ist.

Wie sehr Sexualität oder das, was man als sexuell anregend empfindet, letztendlich von der Kultur abhängt, in der man aufgewachsen ist, zeigt sich z. B. darin, dass die Männer in China die Füße potenzieller Sexualpartnerinnen extrem sexy finden, in Europa hingegen die weiblichen Brüste einen hohen Stellenwert einnehmen. In Afrika wiederum spielt für sexuelle Anziehungskraft von Frauen vor allem ihr Gesäß eine Rolle.

Aber auch die in den Medien vorgegebenen Rollenmuster und Maßstäbe, wer und was sexuell attraktiv ist (und was nicht), prägen das gesellschaftliche und eigene Bewusstsein von Sexualität. Als extremstes Beispiel ist hier sicherlich der heutzutage herrschende Schlankheitswahn und -druck zu nennen, während vor einigen Jahrhunderten die heute als „dick" geltenden Frauen dem Schönheitsideal entsprachen.

Des Weiteren unterscheidet man in der Sexualmedizin verschiedene Dimensionen der Sexualität, die in enger Wechselbeziehung stehen, nämlich die beziehungsorientierte Dimension, die reproduktive Dimension und die Lustdimension.

Weiterlesen:

  • Sexuelle Orientierung
  • Wann hilft die Sexualmedizin?

Von: Dr. med. David Goecker, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski

Zurück

Aktuelle Beiträge zum Thema

  • Vor Sonne und Stichen schützen
    Sommerliche Herausforderung

    Im Sommer möchte man sich meist sowohl vor Mücken als auch vor Sonnenbrand schützen. Was ist dabei zu beachten?

    Kombiprodukte weniger sinnvoll

    Zuviel Sommersonne lässt…

    mehr

  • HPV-Impfung gegen Krebs
    Für junge Menschen empfohlen

    Humane Papillomaviren können Krebs verursachen. Eine Impfung gegen das Virus kann davor schützen – doch wie funktioniert das und wer sollte sich impfen lassen?


    Häufigste Ursache…

    mehr

  • Stärker mit Kreatin?
    Hilft nicht immer

    Nahrungsergänzungsmittel zur Verbesserung sportlicher Leistungen sind beliebt. Aktuell besonders beworben wird Kreatin. Was sagt die Wissenschaft dazu?

    Die Rolle von Kreatin im…

    mehr

  • Erhöhte Malariagefahr in Namibia
    Deutlich mehr Fälle

    Wer in der nächsten Zeit nach Namibia reisen möchte, sollte Mückenschutz und Malariaprophylaxe besonders ernst nehmen. Denn Namibia erlebt derzeit einen ausgeprägten Anstieg von…

    mehr

  • Gefahr für Nierensteine steigt
    Wenn es immer heißer wird

    Mit Nieren- und Harnleitersteinen muss man im Zeiten des Klimawandels auch hierzulande wohl häufiger rechnen. Da hilft nur eins: ausreichend trinken. Ganz besonders gilt das für…

    mehr

  • Formula-Diät senkt Blutzucker
    Nicht nur gegen Speck gut

    Formula-Diäten helfen Übergewichtigen beim Abspecken. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann der flüssige Mahlzeitenersatz bei strukturierter Anwendung noch mehr: nämlich den…

    mehr