Gesundheit heute

Biofeedback

Diese in den späten 1960er Jahren entwickelte Methode baut darauf auf, dass normalerweise unbewusst ablaufende, körperliche Reaktionen auch über die Sinnesorgane erfasst werden können. Die sinnliche Wahrnehmung soll ermöglichen, die körperlichen Reaktionen willkürlich zu verändern. Dazu werden beim Biofeedback elektronische Messgeräte eingesetzt, die z. B. die Leitfähigkeit der Haut, Muskelspannung, Herzschlag oder sogar Hirnströme aufzeichnen und in ein sicht- oder hörbares Signal verwandeln. Der Übende kann nun versuchen, durch bestimmte Entspannungstechniken das Signal (etwa ein Lichtzeichen oder einen Ton) bewusst zu verändern. Die beständige Rückmeldung (Feedback) zeigt dem Übenden an, ob er sich dem gewünschten Ziel nähert.

Im Einzelnen werden als Vorgänge im Biofeedback genutzt:

  • Atemmuster wie Atemfrequenz oder Atemamplitude
  • Blutdruck und seine Veränderung
  • Pulsfrequenz, -amplitude und -variabilität
  • Hauttemperatur und -widerstand.

3315_ASM_Biofeedback.png|So funktionieren Biofeedbacktherapien: Ein Messgerät zeichnet eine unbewusste oder nur teils bewusste Reaktion auf (z. B. die Anspannung bestimmter Muskelpartien) und stellt sie dem Patienten akustisch oder visuell dar. Mit der Zeit lernt der Patient, diese Reaktion gezielt zu beeinflussen. So kann etwa die Muskulatur der Blase trainiert werden, um Inkontinenzbeschwerden zu bessern. |[ASM 3315]|Schema zur Funktionsweise von Biofeedback

Das Training wird von speziell geschulten Biofeedbacktrainern durchgeführt, und kann mithilfe von tragbaren Handapparaten auch zu Hause fortgeführt werden. Angewendet wird das Verfahren zur Unterstützung von Entspannungstechniken, bei stressbedingten Erkrankungen, aber auch bei manchen organischen Leiden wie Blasenschwäche oder Migräne.

Eine Weiterentwicklung des Biofeedbacks für den Einsatz in der Schmerztherapie ist das EMG-Feedback.

Neurofeedback ist eine Variante des Biofeedbacks, bei der mittels Elektroden die Gehirnströme gemessen und in Form von Gehirnstromkurven (EEG-Wellen) auf einem Monitor dargestellt werden.

Weiterführende Informationen

  • www.dgbfb.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback, e. V., Prien a. Chiemsee: Fundierte und übersichtliche Fach- und Patienteninformationen mit weiterführenden Links.
  • W. Rief (Hrsg.): Biofeedback. Grundlagen, Indikationen, Kommunikation, praktisches Vorgehen in der Therapie. Schattauer, 2006. Gelungene Grätsche zwischen wissenschaftlichen Grundlagen, therapiebedürftigen Beschwerden und praxisbezogener Umsetzung des Biofeedbacks.
  • I. Pirker-Binder: Biofeedback in der Praxis. (Band 1 für Kinder, Band 2 für Erwachsene). Springer, 2006/2007. Erklärt Einsatzmöglichkeiten des multimodalen Biofeedbacks und Neurofeedbacks, speziell auf Kinder zugeschnitten, mit Übungsgeschichten. Im Band 2 dann auch für Erwachsene.

Weiterlesen: Die verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

Zurück

Aktuelle Beiträge zum Thema

  • Mit Optimismus länger leben
    Schützt Herz und Zellen

    Für ein gesundes langes Leben sind nicht nur gute Gene verantwortlich. Man kann auch einiges selbst dafür tun - zum Beispiel sich weniger ärgern.

    Optimistische Menschen werden…

    mehr

  • Zäpfchen richtig anwenden
    Alternative zu normalen Tabletten

    Nicht nur bei Kindern ist die Anwendung von rektalen Zäpfchen oft sinnvoll. Leiden Erwachsene etwa an starkem Brechdurchfall, bleiben normale Tabletten nicht lang genug im…

    mehr

  • Gehen lindert Kniegelenksarthrose
    Nur mit geraden oder O-Beinen

    Sportliches Gehen kann die Kniegelenksarthrose aufhalten. Das trifft allerdings nicht auf Menschen zu, die mit X-Beinen durch die Welt laufen.

    Leichtes Walking oder Wandern

    Zur…

    mehr

  • Adipositas: Spürbare Folgen bei Kinderwunsch
    Einfluss nicht unterschätzen

    Die meisten Menschen wissen, dass starkes Übergewicht (Adipositas) nicht gesund ist. Weniger bekannt ist aber, dass Adipositas auch die Chancen auf ein Kind verringern und…

    mehr

  • Salz: Verzichten oder ersetzen?
    Für Herz und Gefäße

    Salzverzicht gehört zu den Basismaßnahmen bei der Behandlung von Bluthochdruck. In manchen Fällen reicht das nicht – dann ist der Salzersatz besser.

    Salz als Hochdrucktreiber

    Sal…

    mehr

  • Kurz vorm Ziel am gefährlichsten
    Herzgefahr beim Marathon

    Langstreckenläufe muten dem Herz-Kreislauf-System einiges zu. In seltenen Fällen kann es sogar zu einem Herzstillstand kommen. Männer trifft es dabei bevorzugt – womöglich aufgrund…

    mehr