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Migräne: anfallsartige, häufig pulsierend-pochende, meist einseitige Kopfschmerzen, die oft begleitet werden von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Betroffenen werden die Beschwerden eingeleitet durch die sogenannte Aura: kurzzeitige neurologische Ausfälle, z. B. Sehstörungen oder Missempfindungen. Migräne ist eine häufige Erkrankung. Etwa 15 % der Frauen, 5 % der Männer und 3–7 % der Kinder sind davon betroffen. Meistens tritt der 1. Migräneanfall im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Es gibt aber zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, um die Migräne in einem erträglichen Rahmen zu halten.
In den nächsten 2 Wochen, wenn
In den nächsten Tagen, wenn
Sofort den Notruf wählen, wenn die Betroffene Krämpfe hat, bewusstlos wird oder Lähmungserscheinungen zeigt.
Die Migräne ist nicht, wie früher angenommen, psychisch bedingt und schon gar nicht wird ein Migräneanfall vorgetäuscht ("sie hat wieder mal ihre Migräne"). Vermutlich ist die Migräne erblich mitbedingt, bei einer seltenen Sonderform sind erbliche Gendefekte als direkte Ursache identifiziert. Besteht eine Neigung zur Migräne, lösen verschiedenste Einflüsse die Migräneanfälle aus. Hierzu zählen
Wie es genau zu einem Migräneanfall kommt, ist nach wie vor nicht ganz klar. Wahrscheinlich spielt dabei eine Funktionsstörung der Nervenzellen eine Rolle. Vermutet wird, dass dadurch Botenstoffe ausgeschüttet werden, die auf die körpereigenen schmerzregulierenden Systeme einwirken und die Hirnhautgefäße erweitern. Dadurch entsteht dann der migränetypische Kopfschmerz.
Für die Aura verantwortlich ist wahrscheinlich eine verlangsamte Nervenzellaktivität in Teilen der Großhirnoberfläche. Dadurch wird u. a. die Sehrinde zu wenig durchblutet und somit die Sehstörungen verursacht.
Die häufigste Form der Migräne ist die Migräne ohne Aura. Hier beginnt der Migräneanfall direkt mit Kopfschmerzen.
Bei ungefähr 10–30 % der Betroffenen leiten neurologische Ausfälle eine Migräneattacke ein. Diese Form heißt Migräne mit Aura (oder auch klassische Migräne).
Zusätzlich gibt es seltenere Sonderformen wie
Ein Migräneanfall verläuft typischerweise in 4 Phasen:
Beginnt die Migräneattacke mit einer Auraphase, kommt es zunächst zu Sehstörungen wie Lichtblitzen, Zickzacklinien, umschriebenen Gesichtsfeldeinschränkungen, grellen Farbwahrnehmungen oder Flimmersehen. Möglich sind auch Sprachstörungen oder Missempfindungen wie ein nadelstichartiges Kribbeln, das sich über eine Körperseite ausbreitet.
Die Kopfschmerzphase der Migräne ist durch pulsierend-pochende Schmerzen charakterisiert. Diese steigern sich typischerweise bei körperlicher Aktivität wie beim Treppensteigen.
Die Kopfschmerzen sind häufig einseitig, nur bei einem Drittel der Betroffenen treten sie im gesamten Kopf auf. Bei einseitigen Schmerzen wechselt die Seite manchmal während der Attacke oder von Attacke zu Attacke.
Begleitet werden die Kopfschmerzen sehr oft von Appetitlosigkeit, Übelkeit, z. T. auch Erbrechen sowie Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen. Auch ein leichtes Augentränen kommt oft vor.
Eine Migräneattacke dauert in der Regel 4 bis 72 Stunden. Die Hälfte der Betroffenen erleidet etwa einen Anfall im Monat, jede Zehnte hat aber 4 und mehr Anfälle im Monat.
Migräne bei Kindern. Bei Kindern ist die Migräne manchmal schwer zu erkennen, weil sie sich gar nicht mit Kopfschmerzen zeigt, sondern mit heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Hinzukommen können Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und ein blasses Gesicht. Auf Eltern und Betreuende wirkt das dann eher wie ein "verdorbener Magen". Die Anfälle sind oft kürzer als bei Erwachsenen. Haben die Kinder auch Kopfschmerzen, sind diese meist beidseitig.
Komplikationen. Migräneanfälle, die nicht innerhalb von 72 Stunden aufhören (Status migraenosus) erfordern besondere Therapiemaßnahmen und oft eine Einweisung ins Krankenhaus. Sehr selten kommt es während des Migräneanfalls zu einem Schlaganfall oder einem epileptischen Anfall.
Die Diagnose wird in erster Linie aufgrund des typischen Beschwerdebildes gestellt. Die Ärzt*in stellt zu Beginn meist mehrere Fragen:
Bei schon länger bestehenden Kopfschmerzen kann ein Kopfschmerztagebuch helfen, diese Fragen zu beantworten. An die Befragung schließt sich eine körperliche und neurologische Untersuchung an.
Weitere Untersuchungen sind nur selten nötig und sollen andere Erkrankungen ausschließen. Sie machen Sinn, wenn die Beschwerden nicht so ganz typisch für die Migräne sind, die Erkrankung erst nach dem 40. Geburtstag beginnt oder sich die bisher aufgetretenen Symptome einer bekannten Migräne ändern. Dafür ist dann vielleicht eine CT und/oder eine MRT vom Hirnschädel erforderlich.
Differenzialdiagnosen. Häufiger als die Migräne sind Spannungskopfschmerzen. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass Spannungskopfschmerzen bei Bewegung nicht zunehmen. Spannungskopfschmerzen sind zudem eher dumpf-drückend und nur selten von weiteren Beschwerden begleitet, z. B. einer leichten Übelkeit und Lärmscheu. Die Schmerzen sind meist nicht so intensiv wie bei Migräne und beeinträchtigen den Alltag nur wenig.
Mehrmals tägliche einseitige Kopfschmerzen, die von einer laufenden Nase begleitet werden, können durch die seltene paroxysmale Hemikranie verursacht sein.
Der Analgetika-Kopfschmerz durch einen Übergebrauch von Schmerzmitteln zeigt sich häufig durch einseitig-pulsierende Schmerzen mit Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen und ähnelt somit stark der Migräne.
Auch Cluster-Kopfschmerzen sind einseitig und sehr stark, aber sie führen eher zu ruhelosem Verhalten statt zu einem Ruhebedürfnis wie bei Migräne.
Die Therapie der Migräne ist nicht ganz einfach, denn es gibt kein Medikament, das alle Symptome beseitigt. Oft lässt sich auch nur die Anzahl und Intensität der Anfälle mindern. Die Migränetherapie umfasst neben der medikamentösen Behandlung psychotherapeutische und physiotherapeutische Heilverfahren sowie Änderungen im Lebensstil und Selbsthilfemaßnahmen.
Oft lässt sich den Migräneanfällen bereits durch Lebensstilanpassungen vorbeugen:
Im akuten Migräneanfall muss oft zunächst die Übelkeit mit einem Antiemetikum behandelt werden. Sonst kann es passieren, dass das Schmerzmittel wieder erbrochen wird. Deshalb wird als erstes Metoclopramid oder Domperidon eingenommen.
Eine Viertelstunde später kann dann das Schmerzmittel folgen.
Als Mittel der ersten Wahl dienen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen, am besten als Brause- oder Kautablette. Es gibt auch Kombinationspräparate, z. B. mit Koffein – für viele sind sie wirksamer als die Einzelmedikamente. Sie haben aber auch häufiger Nebenwirkungen. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind Ibuprofen oder Paracetamol am besten, für Schwangere Paracetamol. Paracetamol lässt sich auch als Zäpfchen verabreichen.
Bei schweren Migräneattacken oder wenn die Schmerzen nicht auf übliche Schmerzmittel ansprechen, werden Triptane verordnet, etwa Sumatriptan, Eletriptan, Zolmitriptan oder Naratriptan. Triptane gibt es als Tabletten, Nasensprays und zum Spritzen unter die Haut. Sie dürfen erst im Migräneanfall eingenommen werden – und nicht schon während der Aura, da Triptane sonst selbst zum (arzneimittelinduzierten) Kopfschmerz und sogar zu häufigeren Migräneanfällen führen.
Reicht ein Triptan nicht aus, um die Schmerzen erträglich zu machen, wird empfohlen das Triptan mit einem Schmerzmittel zu kombinieren, vorrangig mit Naproxen.
Dürfen Triptane z. B. wegen einer bestimmten Vorerkrankung nicht eingenommen werden oder zeigen sich Triptane und Analgetika als unwirksam, stehen weitere Wirkstoffe wie Lasmiditan und Rimegepant zur Verfügung.
Bei länger anhaltenden Schmerzen sind immer 2 Seiten zu beachten:
Eine wichtige Grundregel lautet: Nehmen Sie maximal an 10 Tagen (Kombinationspräparate) bzw. 15 Tagen (einfache Schmerzmittel) im Monat Schmerzmittel.
Bei mehrwöchiger oder gar dauernder Einnahme von Analgetika (Schmerzmitteln) droht ein Analgetikakopfschmerz. Dabei wird der Schmerz paradoxerweise durch die Schmerzmittel verursacht. Bei diesen dumpf-drückenden oder pulsierenden Dauerkopfschmerzen hilft nur eines: konsequentes Weglassen aller Schmerzmittel.
Deshalb werden in bestimmten Fällen statt Schmerzmitteln zur Akuttherapie besser vorbeugende Medikamente zur Anfallsprophylaxe verordnet. Das kommt z. B. in Betracht bei mehr als 3 Migräneanfällen im Monat, bei besonders langen Anfällen oder wenn die Akutmedikamente nicht ausreichend wirken bzw. die Nebenwirkungen zu stark sind.
Die vorbeugenden Medikamente können zusätzlich mit nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Anfallsprophylaxe kombiniert werden. Positive Effekte zeigen vor allem psychotherapeutische Behandlungsmethoden wie
Neuere nichtmedikamentöse Methoden, die sich in der Migränebehandlung ebenfalls als wirksam erwiesen haben sind z. B.
Die Migräne ist nicht heilbar, aber häufig rückläufig. Bei Kindern verschwindet die Migräne in 50 % der Fälle in der Pubertät, bei Erwachsenen bessert sie sich oft nach dem 45. Lebensjahr, bei Frauen meist in den Wechseljahren. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die Migräne aber trotz aller Behandlungsmöglichkeiten so schwer, dass sie die Lebensqualität stark einschränkt und zur Erwerbsunfähigkeit führt. Zudem kommen bei Menschen mit Migräne häufig Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen hinzu.
Akuthilfe bei einer Kopfschmerzattacke. Während des Anfalls helfen am besten Ruhe in einem abgedunkelten Raum und Kälteanwendungen, z. B. durch kalte Kompressen, Kühlpacks oder eine Migränebrille. Manchmal hilft eine heiße Dusche oder ein Vollbad. Badezusätze aus Baldrian und Hopfen beruhigen, Arnika und Heublume lindern Schmerzen.
Auslöser meiden. Um Anfallsauslöser zu meiden, müssen Sie zunächst herausfinden, was bei Ihnen einen Anfall provoziert. Dabei kann ein Kopfschmerztagebuch helfen. Rufen Sie sich regelmäßig die bekannten Anfallsauslöser in Erinnerung. So fällt es leichter, diese im Alltag aufzudecken.
Heißhungerattacken. Lange Zeit galten Schokolade und Süßigkeiten als Migräne-Auslöser. Eine aktuelle Studie zeigt aber, dass Schokolade den Anfall nicht verursacht, sondern Heißhunger mit verstärkter Lust auf Süßes ihn vielmehr ankündigt. Der Grund dafür: Das Gehirn braucht Energie für den bevorstehenden Migräneanfall. Das bedeutet: Um einem Anfall vorzubeugen, nützt es nichts auf Schokolade zu verzichten und Heißhunger zu unterdrücken. Im Gegenteil, laut der Studie verstärkt der Verzicht die Symptome sogar.
Akupunktur. In einigen Studien zeigt sich die Akupunktur der schulmedizinischen Standardbehandlung als ebenbürtig, bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Allerdings bezieht sich dies nur auf die Behandlung des akuten Migräneanfalls. Außerdem reicht die Aussagekraft der Studien nicht aus, um die Akupunktur eindeutig als Alternative zur medikamentösen Behandlung zu empfehlen. Wirksamkeitsnachweise für die chronische Migräne gibt es noch nicht.
Phytotherapie. Als klassisches Mittel bei Migräne gilt der Pestwurz-Wurzelstock (Petasites hybridus). Er ist in Deutschland und Österreich allerdings nicht mehr als Arzneimittel erhältlich. Auch Mutterkraut – in Form von CO2-Extrakt – hat sich in Studien als wirksam erwiesen und ist aktuell in Deutschland erhältlich. Andere Formen von Mutterkraut wurden nicht untersucht.
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