Gesundheit heute

Schmerz- und Schlafmedizin

Schmerz- und Schlafmedizin

Schmerzen können das Leben zur Hölle machen. Eigentlich signalisieren sie drohende Gefahr und leiten Schutzreflexe ein. Sie haben aber die fatale Eigenschaft, sich zu verselbständigen, wenn unser Schmerzgedächtnis den Schmerz erinnert, auch wenn er im Moment nicht vorhanden ist. Schmerzmittel bringen dann meist nur mäßige Linderung und bergen erhebliche Risiken und Nebenwirkungen. Die moderne Schmerzmedizin packt deshalb das Übel bei der Wurzel: nämlich im Kopf. „Schmerzpatienten können ihre Schmerzen nicht nur lernen, sie können sie auch wieder verlernen“, so lautet ihre Grundthese. Schmerzen können auch den Schlaf rauben - daher veranlasst jeder Schlafmediziner einen diagnostischen Schlaf im Schlaflabor, wenn er hinter Schlafproblemen ernste organische Erkrankungen vermutet. Hierbei werden während einer ganzen Nacht Gehirnaktivitäten, Atemfrequenz, die Sauerstoffsättigung im Blut, Puls, EKG und die Muskelaktivität in den Beinen aufgezeichnet. Hinter sehr vielen Schlafproblemen stecken aber keine organischen, sondern psychische Störungen oder Dauerbelastungen. Schlaffördernde Medikamente treten für die Schlafmedizin daher zunehmend in den Hintergrund, während sich moderne Verhaltenstherapien immer weiter durchsetzen.
(Bild: Wavebreakmediamicrro/veer)
Krankheiten & Therapie: Schmerz- und Schlafmedizin
Peptide zum Selbstspritzen

Die neuen "Trendpeptide" werden von den Anwender*innen meist selbst unter die Haut gespritzt.

Peptide zum Selbstspritzen

Gefährlicher Trend

Peptide sind in den sozialen Medien der letzte Schrei. Sie werden mit Insulinspritzen unter die Haut injiziert und sollen wahre Wunder vollbringen. Die angepriesenen Wirkungen reichen vom Muskelaufbau bis zur mentalen Leistungssteigerung. Ein riskanter Trend.

Wundermittel als Botenstoffe

Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren, die körpereigene Botenstoffe imitieren. Injiziert man sie unter die Haut, sollen sie bestimmte biologische Prozesse auslösen. Tatsächlich gibt es solche Peptide, die offiziell für die Behandlung von Erkrankungen zugelassen sind. Dazu gehören z. B. Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid, mit denen man Diabetes und starkes Übergewicht behandelt – aber auch das altbekannte Insulin.

Peptide aus dubiosen Quellen

Mehr und mehr drängen jedoch nicht zugelassene Peptide zur Selbstinjektion auf den Markt. Sie werden vor allem über unseriöse Online-Shops vertrieben und stammen häufig aus chinesischen Laboratorien.

Typische Beispiele sind die Trend-Peptide TB-500 und CJC-1295, die beide gern von Bodybilder*innen und Sporttreibenden als Doping missbraucht werden. TB-500 soll Muskeln, Sehnen und Bänder schneller heilen lassen, CJC-1295 imitiert die Wirkung des Wachstumshormons und soll den Muskelaufbau und Fettabbau fördern. Andere Peptide werden als schlaffördernd und leistungssteigernd angepriesen.

Wirkung nicht nachgewiesen

Auch wenn sie in den sozialen Medien als effektiv beworben werden: Die Wirkung dieser als „Forschungschemikalien“ vermarkteten Peptide ist nicht nachgewiesen. Selbst wenn es Hinweise aus Laboruntersuchungen oder Tierversuchen gibt, so lassen sich diese nicht so einfach auf den Menschen übertragen.

Expert*innen raten aber auch noch aus anderen Gründen dringend davon ab, sich solche Peptide zu injizieren. Die Injektionen gelten als riskant, weil die Wirkstoffe aus unseriösen Quellen stammen, verunreinigt sein können und weil man nichts über mögliche Nebenwirkungen weiß.

In Deutschland strafbar

Das Fazit lautet: Von Trend-Peptiden sollte man besser die Finger lassen. In Deutschland ist ihr Konsum ohne Rezept strafbar, ebenso wie die Einfuhr und der Besitz. Viele fallen als Doping auch unter die Liste der nicht zugelassenen Substanzen.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Alexander Raths

Aktuelle Beiträge zum Thema

  • Früher mit dem Zukleben starten
    Sehschärfe beim Schielen retten

    Erst vier bis sechs Monate Brille tragen und dann das gesunde Auge abkleben – das ist die Strategie für die meisten Schielkinder. Doch offenbar entwickelt sich die Sehschärfe…

    mehr

  • Hochdruck behandeln beugt Demenz vor
    Therapietreue lohnt

    Einen erhöhten Blutdruck zu senken schützt nicht nur vor Herzinfarkt und Schlaganfall: Wer als Hochdruckpatient*in seinen Blutdruck konsequent im Griff hat, hat ein geringeres…

    mehr

  • Wie Babys sicher schlafen
    Auch im Krankheitsfall

    Wie schläft ein Baby am sichersten? Zur Vorbeugung des Plötzlichen Kindstodes (SIDS) gibt es dazu lang etablierte Regeln. Nur halten sich die Eltern nicht in jedem Fall daran, wie…

    mehr

  • Peptide zum Selbstspritzen
    Gefährlicher Trend

    Peptide sind in den sozialen Medien der letzte Schrei. Sie werden mit Insulinspritzen unter die Haut injiziert und sollen wahre Wunder vollbringen. Die angepriesenen Wirkungen…

    mehr

  • Lungenkrebsscreening für Rauchende
    Soll im April losgehen

    Je eher man eine Krebserkrankung erkennt, desto besser kann man sie behandeln. Das gilt auch für den Lungenkrebs. Bisher gab es in Deutschland kein Lungenkrebs-Screening auf…

    mehr

  • Schwangere sollten Jod einnehmen
    Schon vor der Empfängnis starten

    Schwangere brauchen vermehrt Jod – und das am besten schon vor der Empfängnis. Jodreiche Ernährung reicht für die Versorgung meist nicht aus. Expert*innen empfehlen deshalb, das…

    mehr