Gesundheit heute

Männerkrankheiten

Männerkrankheiten

Konzentriert und kraftvoll leben, mit Energie an die Aufgaben herangehen und die beruflichen wie privaten Ziele immer im Auge behalten – das ist das Bild, das viele Männer von sich haben. Aber jeder weiß auch – das Leben ist nicht immer so. Über Männerkrankheiten wird viel weniger gesprochen als über Frauenleiden. Manchmal tun sich Männer schwer, über Beschwerden und Krankheiten zu reden. Erst recht dann, wenn es um ihre „Männlichkeit“ geht. Das ist unnötig – die Urologie hat große Fortschritte gemacht, und etliche, früher unheilbare Erkrankungen sind heute gezielt und nebenwirkungsarm behandelbar. Und selbst wenn es „nur“ um die Lebensqualität bei den sexuellen Funktionen geht, bietet die Medizin heute viel mehr als obskure Pulver und drakonische Therapien mit dem Skalpell.
(Bild: SeanPrior/clipdealer)
Krankheiten & Therapie: Männerkrankheiten
Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?

Eine Stillberatung kann Stillprobleme oft nachhaltig lösen.

Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?

Nicht vorschnell entscheiden

Klappt das Stillen nicht, steht schnell die Vermutung „verkürztes Zungenbändchen“ im Raum. Ein kurzer Eingriff soll das Problem beseitigen. Aber funktioniert das wirklich?


Beliebte Maßnahme bei Stillproblemen

Stillen hat viele Vorteile für das Neugeborene – ist aber manchmal gar nicht so einfach. Wenn es nicht auf Anhieb klappt, kann es auch zum Stressfaktor werden. Nicht umsonst gibt es inzwischen viele Stillberaterinnen, die dann beim Stillen unterstützen.
Eine einfache Erklärung für Stillprobleme bieten „Zungenbändchenzentren“. Ihnen zufolge liegt das Problem häufig darin, dass beim Kind das Zungenbändchen verkürzt sei. Das soll dann das Saugen erschweren und Stillprobleme verursachen. Mit einem einfachen Eingriff kann das verkürzte Zungenbändchen durchtrennt werden. Das Konzept ist so erfolgreich, dass sich diese Eingriffe vervielfacht haben – und das, obwohl die Krankenkassen die Operation meist nicht bezahlen.


Die Sicht der Wissenschaft

Wissenschaftler*innen wollten nun herauszufinden, ob der Eingriff wirklich nötig ist und einen Nutzen hat. Sie fanden fünf eher kleinere Studien mittlerer Qualität mit insgesamt 302 Mutter-Kind-Paaren. Das Ergebnis: Leichte Verbesserungen ergaben sich für die Mütter. Die Schmerzen in den Brustwarzen wurden kurzfristig weniger. Positive Effekte für das Kind konnten nicht nachgewiesen werden, weder auf die Gewichtszunahme, noch auf das Schreiverhalten oder die Langzeit-Entwicklung. Auch die verkürzte Stilldauer betroffener Mutter-Kind-Paare veränderte sich nicht.
Außerdem hat die Operation auch Nachteile: In 1–9% kommt es bei dem Eingriff zu Komplikationen wie Infektionen, Nachblutungen oder die Stillprobleme verschlechtern sich.
Mittels einer ausführlichen Stillberatung konnten dagegen drei Viertel aller von Brustschmerzen geplagten Mütter ihre Probleme dauerhaft lösen.


Kinderärzt*innen raten zur Vorsicht


Deswegen hat auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen Stellung zu den Zungenbändchen-Eingriffen bezogen. Er rät Eltern davon ab, sich vorschnell für den teuren Eingriff zu entscheiden. Zuerst, so der Verband, sollte eine ausgebildete Kinderärzt*in das Kind untersuchen und eine Stillberatung in Anspruch genommen werden. Erst, wenn nicht-operative Möglichkeiten ausgeschöpft sind und eine Kinderärzt*in die Diagnose definitiv bestätigt hat, sollte eine OP in Betracht kommen.


Quellen:
Kinder- und Jugendärzte im Netz
Cochrane
UptoDate
Rossato (2025): The lingual frenulum, ankyloglossia, and breastfeeding. Archivos argentinos de pediatria, 123(1)

Von: Christine Sladky; Bild: mauritius images / Oksana Kovach / Alamy / Alamy Stock Photos

Aktuelle Beiträge zum Thema

  • Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?
    Nicht vorschnell entscheiden

    Klappt das Stillen nicht, steht schnell die Vermutung „verkürztes Zungenbändchen“ im Raum. Ein kurzer Eingriff soll das Problem beseitigen. Aber funktioniert das wirklich?


    Beliebte…

    mehr

  • Diabetes bei Frauen oft übersehen
    Gendermedizin beim Stoffwechsel

    Frauen und Männer unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht – auch in ihrem Stoffwechsel. Das hat Auswirkungen auf die Entstehung von Krankheiten und deren Diagnose. So wird…

    mehr

  • 7 Tipps zum Inhalieren von Asthmaspray
    Häufige Fehler vermeiden

    Damit ein Asthmaspray gut wirken kann, muss es bis tief in die Lunge vordringen. Doch das ist gar nicht so einfach. Vor allem ältere Patient*innen machen beim Inhalieren einiges…

    mehr

  • Zuckermedikament schützt Auge
    Nützlicher Nebeneffekt

    GLP-1-Rezeptoragonisten senken bei Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht nur den Blutzucker. Sie schützen offenbar auch vor einem Glaukom.

    Blutzuckersenkung auf vielen Wegen

    Zur…

    mehr

  • Was ist dran am Proteinhype?
    Joghurt mit Eiweiß bitte

    Joghurt mit High Protein, Schokolade mit Protein, oder gleich ein ganzes Regal mit Proteinshakes – Lebensmittel mit Proteinzusatz sind aus den Supermarktregalen nicht mehr…

    mehr

  • Weniger Muskeln durch die Abnehmspritze?
    Überlegt abnehmen

    Wer abnimmt, verliert nicht nur Fett. Der Gewichtsverlust geht oft auch mit einem Verlust an Muskelgewebe einher. Dieser Effekt scheint auch bei der Abnehmspritze ausgeprägt zu…

    mehr