Gesundheit heute

Ernährungsmedizin

Man ist, was man isst. Doch: Was soll man essen? Und wie viel davon? Und wann? Die Antworten sind nicht einfach. Schließlich können Menschen sowohl in der gemüsefreien Arktis als auch in der kargen Sahelzone mit den vor Ort verfügbaren Nahrungsmitteln überleben. Der alteingesessene Bayer, der von Kindesbeinen an am liebsten Schweinebraten mit Knödeln verzehrt, leidet unter Umständen ebenso wenig unter Mangelerscheinungen wie der dogmatische Rohkostfan, dessen Speisekarte vor allem aus Obst und Gemüse besteht. Was die Ernährung angeht, scheint der Mensch also sehr flexibel zu sein. Oft geht es um den von Paracelsus festgeschriebenen Grundsatz: Die Dosis macht das Gift. Simple Erklärungen hat die Ernährungsmedizin trotzdem nicht zu bieten – in welche Richtung der Weg geht, weiß sie aber sehr wohl.
Bildquelle: j.chizhe/Shutterstock.com
Gesund leben: Ernährungsmedizin
Was kann der Reishi-Pilz?

Der Reishi-Pilz wächst an totem Laubholz und wird seit über 2000 Jahren in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt.

Was kann der Reishi-Pilz?

Vom Baum in die Kapsel

Immer wieder geistern neue Ernährungstrends durch das Internet. Momentan ist der Reishi-Pilz in aller Munde. Als Pulver oder Extrakt soll er z. B. den Blutzucker bei Diabetes senken und Krebs bekämpfen. Stimmt das?

Seit 2000 Jahren im Dienst der Heilkunde

Der auch unter dem Namen „Glänzender Lackporling“ bekannte Reishi-Pilz ist weltweit verbreitet und wächst auf totem oder geschwächtem Laubholz. Seinen eigentlichen Ursprung hat er in China, wo man ihn seit mehr als zweitausend Jahren als traditionelles Heilmittel einsetzt. Dabei wird er meist als Pulver oder Extrakt angeboten und z. B. in Kaffee oder Kakao getrunken.

Studienqualität meist schlecht

Der Reishi-Pilz ist voll von bioaktiven Inhaltsstoffen. Beta-Glucane, Triterpene, Proteine, Sterole und Mineralstoffe sind nur einige davon. Die Liste von Gesundheitseffekten, die mit dem Pilz erzielt werden sollen, ist ebenso lang. Am häufigsten wird eine Wirkung gegen Krebs und Diabetes postuliert. Dafür werden immer wieder entsprechende Untersuchungen mit positiven Ergebnissen angeführt. Allerdings ist die Qualität vieler Studien schlecht und wenig geeignet, Schlüsse daraus zu ziehen. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind nicht auf den Menschen übertragbar.

Die strenge Analyse hochwertiger kontrollierter Studien kommt schließlich zu einem etwas ernüchternden Fazit. So konnte der Lackporling weder das Überleben von Krebspatient*innen verlängern noch den Blutzucker bei Diabetiker*innen dauerhaft senken. Ob der Pilz vielleicht bei einigen Erkrankungen unterstützend hilfreich ist, wird ebenfalls noch diskutiert.

Nebenwirkungen sind möglich

Doch nicht nur die mangelnde Wirkung ist bedenkenswert. Der Pilz kann bei der Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel auch zu Nebenwirkungen führen. Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sind dabei am häufigsten.

Bei Patient*innen mit Nierenschwäche ist Vorsicht geboten, denn es kann durch den Pilz zu einer schweren Unterzuckerung kommen. Zudem kann der Lackporling die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken. Wer ASS oder Marcumar einnimmt, sollte deshalb auf die Einnahme des Tendpilzes lieber verzichten – oder vorher ärztlichen Rat einholen.

Quelle: ptaheute

Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: mauritius images / Erich Geduldig / imageBROKER

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